AntiRa Netzwerk

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Offener Brief des Antirassismus Netzwerk HeidelbergKein Platz für Rassismus im Heidelberger Rathaus

Triggerwarnung – in diesem Brief werden Begriffe und Narrative verwendet, die rassistische Stereotype reproduzieren.

Am 7. Juli diesen Jahres fand ein Treffen zwischen der Stadt und Gastwirt*innen der Heidelberger Altstadt statt, um die aktuellen Unruhen zu thematisieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Im Rahmen dieser Sitzung wurden laut den Berichten mehrerer Teilnehmender von Bürgermeister Wolfgang Erichson Aussagen zu den Ausschreitungen auf der Neckarwiese getätigt, in denen die Herkunft und Ethnien der Beteiligten mit Aussagen wie “99% der Krawallmacher sind deutsche mit Migrationshintergrund, da müssen wir uns nichts vormachen” in den Vordergrund gerückt wurde. Als Netzwerk, das die Perspektiven von BIPoC (Black Indigenous People of Color) in Heidelberg ins Zentrum stellt, positioniert sich das Antirassismus Netzwerk entschlossen gegen diese Feindbildkonstruktionen. Besonders dann, wenn rassistische Stereotype und Stigmatisierungen von öffentlichen Stellen ausgehen, die eigentlich die gesamte Stadtbevölkerung repräsentieren sollten.

Die Stadt Heidelberg, als Mitglied der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus, hat sich mit dem Unterschreiben des „10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus“ dazu verantwortet jede Form von Rassismus und Diskriminierung auf kommunaler Ebene zu bekämpfen. Rassismus ist eine strukturelle Realität, die sich in den stigmatisierenden Aussagen des Bürgermeisters Erichson und im Schweigen der Anwesenden, widerspiegelt. 

Als Bürger*innen der Stadt Heidelberg, die sich der antirassistischen Arbeit angenommen haben, um eine rassismusfreie Gesellschaft zu gestalten, fordern wir eine rassismuskritische Begleitung des weiteren Prozesses im Umgang mit den Ausschreitungen auf der Neckarwiese und der Unteren Straße. Wir berufen uns auf den unterschriebenen “10-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus”, in welchem sich die Stadt u.a. einer verstärkte Wachsamkeit gegen Rassismus, der Einrichtung eines Angebots an Konfliktmanagement und Meditationsprogrammen für Institutionen wie die Stadtverwaltung und antirassistischer Bildungsarbeit verschrieben hat. Es muss innerhalb der kommunalen Strukturen interne Bildungsarbeit geleistet werden, die der Reproduktion von Rassismus entgegenwirkt und Heidelberg als vielfältiger Stadt gerecht wird. Wir fordern Sie, Herr Erichson, zu einer öffentlichen Entschuldigung auf. Außerdem fordern wir eine Untersuchung der polizeilichen Maßnahmen und Kontrollen auf der Neckarwiese und der Unteren Straße, sowie verpflichtende rassismuskritische Weiterbildungen für Mitarbeitende der Polizei, um auf mehrfach geäußerte Vorwürfe von racial profiling zu reagieren. 

Wir wünschen uns eine Stadt, in der es selbstverständlich ist, auf komplexe Probleme auch komplexe Lösungsvorschläge gemeinsam mit allen beteiligten Akteur*innen zu erarbeiten. Eine Stadt, die auch in akuten Situationen lösungsorientiert handelt und dabei unter keinen Umständen rassistische Schuldzuweisungen reproduziert. Eine Stadt die anerkennt, wo ihr Expertise fehlt und wer deshalb in wichtige Prozesse mit einbezogen werden muss.  BIPoC sind Teil dieser Stadt und gestalten sie an allen Ecken und Enden mit, schon lange. Damit das so bleibt muss die Stadt Heidelberg echte Konsequenzen aus diesem Vorfall ziehen.

Fünftes Anti-Rassismus Netzwerktreffen, 12. März 2021

Schon eine Woche nach dem Workshop für ein gemeinsames Verständnis für das Netzwerk fand am 12. März 2021 unser fünftes Anti-Rassismus Netzwerktreffen statt. In diesem Treffen beschäftigten wir uns damit, wie die Ziele und Forderungen unseres Netzwerks wirksam und nachhaltig nach außen kommuniziert werden können. Dazu erhielten wir zunächst wertvollen Input zu strategischer politischer Kommunikation von Johannah Illgner, Expertin in Sachen Strategieentwicklung und Gründerin der Kreativ-Agentur Plan W. Wir diskutierten unsere Ziele in der Kommunikation nach außen, wobei vor allem der Wunsch deutlich wurde, das Netzwerk sowie die Arbeit der Netzwerkpartner*innen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Auch in diesem Treffen war ein zentraler Punkt, dass wir BPoC (Black and People of Color, eine Selbstbezeichnung von Schwarzen Menschen und nicht weiß gelesenen Menschen, die alle von Rassismus betroffen sind) aus allen gesellschaftlichen Gruppen erreichen möchten. In Kleingruppen diskutierten wir, welche Akteur*innen in Heidelberg und Umgebung uns unterstützen können und wie wir möglichst viele Menschen in der Region erreichen können. Das Ergebnis des Workshops war sehr erfolgreich: Wir haben unsere konkreten Ziele für das Anti-Rassismus-Netzwerk festgelegt, wie wir diese erreichen können und mit welchen Multiplikator*innen wir dafür zusammenarbeiten wollen. 

Inhaltlich und organisatorisch gehen wir gestärkt aus diesem Workshop. Wir konnten uns gegenseitig besser kennenlernen und weiter zusammenwachsen. Unsere Ziele sind jetzt konkret und wir sind motiviert sie zu erreichen und Heidelberg antirassistisch zu gestalten. Wir freuen uns auf die kommenden Treffen!

Viertes Anti-Rassismus Netzwerktreffen, 5. März 2021

Am 5. März 2021 fand das vierte Treffen des Anti-Rassismus-Netzwerks statt. Fast 30 Akteur*innen aus verschiedenen Initiativen und Organisationen kamen online zusammen, um ein gemeinsames Verständnis von antirassistischer Arbeit zu schaffen und konkrete Ziele für unser Netzwerk zu besprechen. Durch die hilfreiche Anleitung von Gilda Sahebi, freie Journalistin, Ärztin und Politikwissenschaftlerin, die sich u.a. mit den Themen Rassismus und Antisemitismus beschäftigt, sind wir diesem Ziel im Rahmen dieses Workshops ein großes Stück näher gekommen.

Zunächst wurde den Teilnehmer*innen die Frage gestellt, wie ihre eigene antirassistische Arbeit aussieht und welche gesellschaftlichen Probleme durch diese Arbeit gelöst werden sollen. In einem nächsten Schritt diskutierten wir, wie antirassistische Arbeit in Heidelberg konkret aussehen muss und trugen unsere Forderungen und Ziele zusammen. Außerdem stellten die Teilnehmer*innen ihre jeweiligen Aktionen, Angebote und Dienstleistungen vor, sodass wir einen tieferen Einblick in die Arbeit der Teilnehmer*innen erhielten. Wir konnten gemeinsam Ziele herausarbeiten, die uns besonders wichtig sind. 

Unser zentraler Anspruch ist es, postmigrantisch zu wirken und Perspektiven und Forderungen von BPoC (Black and People of Color, eine Selbstbezeichnung von Schwarzen Menschen und nicht weiß gelesenen Menschen, die alle von Rassismus betroffen sind) in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen. Praktisch soll das Netzwerk dazu dienen, sich gegenseitig bei Projekten zu unterstützen, aber auch gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen zu planen und durchzuführen. Aber es geht um mehr: Wir wollen uns nicht nur untereinander vernetzen und stärken: Wir wollen gemeinsame Forderungen formulieren und damit Institutionen, die Stadtgesellschaft und die breite Öffentlichkeit erreichen, um nachhaltige Veränderung zu bewirken und Heidelberg zu einer antirassistischen Stadt zu machen.

Das nächste Treffen findet eine Woche später statt. Wir bleiben dran!

Zweites Anti-Rassismus Netzwerktreffen, 3. Juli 2020

Am 3. Juli 2020 fand das zweite Treffen des Anti-Rassismus-Netzwerks statt. Nach dem ersten Online-Treffen freuten wir uns sehr, dass wir uns im Karlstorbahnhof in Heidelberg wieder persönlich treffen konnten. Wir hießen über 30 Personen aus verschiedenen Organisationen und Initiativen willkommen und diskutierten vier verschiedene Themen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden gefragt: Was bräuchten Sie von einem Anti-Rassismus-Netzwerk, und was sollte vermieden werden? Die Gruppe diskutierte, wie eine antirassistische Stadt aussehen soll und wie sich die Institutionen innerhalb der Stadt verändern müssen.

Wir evaluierten die aktuelle Situation von Aktionen und Kampagnen, die von den verschiedenen teilnehmenden Gruppen derzeit geplant werden oder bereits in der Region stattfinden. Wir sprachen auch darüber, wo diese Unterstützung benötigen. Schließlich diskutierten wir die Dekolonisierung Heidelbergs und welche Ressourcen für diesen Prozess notwendig sind. Die Ergebnisse des Workshops haben uns viel Einsicht und Motivation gegeben um die Arbeit und das Netzwerk weiterzuführen. Das nächste Treffen findet bald statt!

Erstes Anti-Rassismus Netzwerktreffen, 5. Juni 2020

Am 5. Juni fand das erste Anti-Rassismus Netzwerktreffen statt. Mit voller Kraft nach dem Tag des Widerstandes am 8. Mai 2020 haben wir uns getroffen, um die Antirassismusarbeit in Heidelberg in den Fokus zunehmen. Wir halten an der Idee einer Bewegung fest, die von Menschen mit Rassismuserfahrung angestoßen aber von allen mitgetragen wird.

So kamen viele unterschiedliche Initiativen und Akteur*innen aus Heidelberg im digitalen Raum über Zoom zusammen, um gemeinsam darüber nachzudenken, was die Antirassismusarbeit in Heidelberg braucht und wie die Forderungen vom 8. Mai langfristig umgesetzt werden können.

Zu Beginn wurde die Frage gestellt was es für die Teilnehmenden bedeutet rassistisch zu sein. Die Antworten wurden in einem Dokument gesammelt. Daraufhin wurden mehrere Gruppen gebildet, und die Teilnehmenden konnten sich unter der Moderation eines Migration Hub Mitglieds über folgende drei Fragen austauschen:

  1. Upfuck: Was frustriert?
  2. Well done: Worauf bin ich stolz? Was wurde bisher erreicht?
  3. Wünsch dir was: Was wünsche/erwarte ich für die Zukunft?

Die Ergebnisse waren wertvoll, die Teilnehmenden konnten von ihren eigenen Erfahrungen berichten und sich mit anderen austauschen. Ein nächstes Treffen ist auf jeden Fall schon geplant! #KeinSchlussstrich